Capoeira

Die Capoeira entstand in Brasilien zur Sklavenzeit, als Waffe der Schwarzen gegen ihre Unterdrücker. In den wenigen Momenten der Ruhe übten die Sklaven Schläge und Tritte, die ihnen bei der Flucht behilflich sein konnten. Näherte sich eine unbekannte Person, mimten die Sklaven innerhalb der Roda, welche die Blicke von Außenstehenden abschirmen sollte, einen Tanz mit akrobatischen Bewegungen, um so ihr Training zu tarnen. Capoeira ist Teil der brasilianischen Kultur: Sie ist Kampf, Tanz, Körperausdruck, Sport und zuletzt Technik. Der Ausdruck der historischen, sozialen und kulturellen Wurzeln basiert auf der Flexibilität, dem Gleichgewicht und der Geschicklichkeit, welche die Grundeigenschaften eines jeden Capoeiristas sind. Dieser muss ehrlich, schlau und ausweichfähig sein, denn in der Capoeira gibt es keine direkte Konfrontation, keinen Zusammenstoß von Kraft gegen Kraft.

Die Gruppe Cativeiro praktiziert die beiden traditionellen Stile der Capoeira: Die Capoeira Angola und die Capoeira Regional. Das Spiel der Capoeira Angola ist meist langsamer, sehr nah am Boden, mit viel taktischem Spiel und Ritualen, um den anderen Spieler nicht durch Kraft oder Schnelligkeit zu überrumpeln, sondern durch Rafinesse, Schlauheit und Witz. Die Capoeira Regional wurde von Mestre Bimba geschaffen, ihr Spiel ist meist schneller als das der Capoeira Angola, mehr im Stand und wenige auf dem Boden, mit mehr akrobatischen Bewegungen, schnellen Angriffen, Ausweichen aber auch hier jederzeit darauf bedacht, den Gegner nicht nur durch bloße Muskelkraft in Bedrängnis zu bringen, sondern eher ihm eine Falle zu stellen. In beiden Stilen der Capoeira geht es nie darum, den anderen Mitspieler zu treffen oder gar zu verletzen, es ist ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander, denn ein schönes Spiel von zwei Capoeiristas ist sehr viel harmonischer als ein Capoeirista, der meint seine Dominanz sich und anderen beweisen zu müssen.

Die Gruppe Capoeira Cativeiro wurde 1978 in Riberão Preto im Bundesstaat São Paulo gegründet. Ihr Ziel ist es, die unterschiedlichen Rassen, Geschlechter und Klassen unabhängig von Religion und Ideologie zu respektieren und sich gegen jegliche Form von Unterdrückung auszusprechen. Weltweit umfasst die Grupo Cativeiro mehr als 10000 Mitglieder, allein in Brasilien mehr als 5000. Dort werden neben der öffentlichen Arbeit, wie das Vermitteln von Kultur und Geschichte, auch zahlreiche soziale Projekte unterstützt und organisiert, in Schulen und auf der Strasse, um Straßenkindern zu einer eigenen Identität und neuem Selbstbewusstsein zu verhelfen.