{"id":32,"date":"2010-12-12T10:20:43","date_gmt":"2010-12-12T09:20:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wckf.de\/blog\/"},"modified":"2010-12-12T10:23:26","modified_gmt":"2010-12-12T09:23:26","slug":"ideologie-der-kampfkunst","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wckf.de\/blog\/kampfkunst\/ideologie-der-kampfkunst\/","title":{"rendered":"Ideologie der Kampfkunst"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 19px; font-size: 13px;\">Das Angebot an Wing Chun &#8211; Seiten und die M\u00f6glichkeiten sich \u00fcber dieses Thema im Netz zu informieren sind mittlerweile sehr vielf\u00e4ltig geworden. Wir m\u00f6chten uns deshalb an dieser Stelle darauf beschr\u00e4nken, Euch unsere Grundeinstellung zum Wing Chun vorzustellen, die Basis an Trainingsprinzipien also, die Wing Chun als funktionale Kampfkunst auszeichnen.<\/span><\/p>\n<h4>1. Kampfkunst und nicht Kampfsport<\/h4>\n<p>Diese Unterscheidung mag Dir vielleicht etwas haarspalterisch vorkommen. Allerdings ist sie notwendig, um einen grundlegenden Unterschied verschiedener Kampfsysteme deutlich machen zu k\u00f6nnen. Kurz gesagt also: Mit der Unterscheidung der Begriffe Kampfkunst und Kampfsport verbindet sich in erster Linie die Differenzierung zwischen einem System, das nach Regeln funktioniert, die einen fairen sportlichen Wettkampf zulassen sollen, die also das Verletzungsrisiko der sportlichen Gegner minimieren wollen und einem System, welches auch heute noch die Kampfweisen enth\u00e4lt, die eine Kampfkunst auch als Kriegskunst ausgezeichnet haben.<\/p>\n<p>Einige von Euch werden sich an der Bezeichnung Kunst f\u00fcr ihre Kampfweise st\u00f6ren, da das Wort Kunst heute \u00fcberwiegend in \u00e4sthetischen Zusammenh\u00e4ngen gebraucht wird. Gerade Wing Chun hat allerdings recht wenig mit nur sch\u00f6nen Bewegungen zu tun, die diese enge Auffassung des Wortes Kampfkunst rechtfertigen w\u00fcrden. Deshalb sei es hier noch einmal ganz klar gesagt: Kunst kommt von K\u00f6nnen und darf deshalb nicht als zum rein \u00e4sthetischen verk\u00fcmmerte Bewegungsform mi\u00dfverstanden werden. K\u00f6nnen hei\u00dft K\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Dass Du Dich in der Art, in der Du k\u00e4mpfst oder auch nur trainierst nat\u00fcrlich auch ausdr\u00fcckst ist klar. Die M\u00f6glichkeiten, die Dir die Formen und die Prinzipien des Wing Chun geben, sind gewaltig.<\/p>\n<p>Unter Anleitung Deines Sifus oder Lehrers wirst Du immer mehr in der Lage sein, Deinen pers\u00f6nlichen Stil zu entwickeln, ohne die Basis des Wing Chun zu verlassen. Versteh das nicht falsch: Es geht nicht darum einen eigenen Kung Fu Stil auf der Basis von Wing Chun zu kreieren, sondern es geht darum, Deinen eigenen Weg innerhalb des Wing Chun zu gehen, abgestimmt auf Deinen K\u00f6rper und Deinen Geist. Jetzt hast Du also die komplette Bedeutung des Wortes Kampfkunst, wie wir es verstehen: Als erstes und grundlegendes Element mu\u00dft Du also k\u00e4mpfen lernen. In der zweiten Stufe, geht es f\u00fcr Dich dann darum, Dich in der Art wie Du k\u00e4mpfst auch wiederzufinden. Es mu\u00df Dir also klar werden, was f\u00fcr Dich geht und was nicht, in welchen Techniken und Situationen Du stark bist und in welchen nicht. Au\u00dferdem mu\u00dft Du verstehen, warum das so ist. In der dritten Stufe hast Du dann soviel Wissen von dem was Du tust, dass es Dir m\u00f6glich wird, Deinen eigenen Weg im Wing Chun zu gehen.<\/p>\n<h4>2. Prinzipien statt Techniken<\/h4>\n<p>Auch im Wing Chun wird der Begriff Technik oder Kampftechnik benutzt, um eine festgelegte Abfolge von Bewegungen zu beschreiben, die auf eine bestimmte Kampfsituation angemessen ist. Das ist aber nicht der Kern des Trainings. Du solltest Schritt f\u00fcr Schritt die in den Techniken enthaltenen Kampfprinzipien erkennen und verstehen lernen. Das hei\u00dft f\u00fcr Dich, die erlernte Technik als ein Beispiel f\u00fcr eines oder mehrere der wichtigsten Wing Chun Prinzipien zu begreifen, und Dir damit auch deren \u00dcbertragbarkeit in andere Situationen als der gerade trainierten bewu\u00dft zu werden. Beispielsweise mu\u00df Dir klar sein, dass das Prinzip der Geschlossenen Mitte nicht nur in einer Kampfstellung als Ausgangsstellung gilt. Vielmehr mu\u00dft Du darauf achten, dass Deine Zentrallinie mit jeden Schlag, mit jedem Tritt, mit jedem Angriff und mit jeder Abwehr gedeckt ist. Dass Du Dich in Sparrings- oder Kampfsituationen auch \u00f6ffnen mu\u00dft ist klar. Du kannst nicht hundertprozentig gedeckt k\u00e4mpfen. Allerdings bedeutet das Prinzip der Geschlossenen Mitte, dass Dir bewu\u00dft sein mu\u00df, wo die L\u00fccke in Deiner Deckung ist. Du mu\u00dft also wissen, wo Dein Gegen\u00fcber Dich als n\u00e4chstes angreifen wird. Wenn Du schon etwas vom Wing Chun wei\u00dft, dann kennst Du das Chi Sao als die Trainingsmethode, die Dir genau dieses Verhalten vermittelt: Zu sp\u00fcren, an welcher Stelle Du als n\u00e4chstes sinnvoll angegriffen werden kannst und wie Du genau diese L\u00fccke zu Deinem Vorteil schlie\u00dfen kannst.<\/p>\n<h4>3. \u00dcbertragbarkeit im Kampf<\/h4>\n<p>\u00dcbertragbarkeit kann sich in vielen Formen ausdr\u00fccken und sich auf unterschiedlichsten Ebenen abspielen. Anfangs ist es f\u00fcr Dich schon ein gro\u00dfer Erfolg eine einfache Technik wie etwa einen geraden Fauststo\u00df von Dir aus in eine neue, bisher im Unterricht nicht behandelte, Situation sinnvoll zu integrieren.<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit wird es f\u00fcr diejenigen, die aus den reinen Bewegungsabl\u00e4ufen bereits ein prinzipielles Kampfverhalten extrahieren konnten, m\u00f6glich, auf gestellte Aufgaben, das hei\u00dft erst einmal neue Kampfsituationen im Training, selbst\u00e4ndige L\u00f6sungen zu entwickeln, die mit den Instruktoren auf ihrer Funktionalit\u00e4t hin \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im fortgeschrittenen Stadium des Lernens wird es f\u00fcr Dich m\u00f6glich aus dem bisher Gelernten eigene Schwerpunkte zu bilden. Das hei\u00dft, ein eigenst\u00e4ndiges Kampfverhalten auf der Basis der Wing Chun Prinzipien zu entwickeln. Dar\u00fcber hinaus solltest Du sp\u00e4testens auf dieser Ebene des Trainings ein Bewu\u00dftsein f\u00fcr die \u00dcbertragbarkeit von Kampfverhalten in ein alltagstaugliches Probleml\u00f6sungsverhalten entwickelt haben. Eins mu\u00df Dir klar sein: Je flexibler und breiter Du Dein Wissen \u00fcber das K\u00e4mpfen anwenden kannst, desto mehr Nutzen hast Du von dem ganzen, desto eher bist Du auf Deinem Weg.<\/p>\n<h4>4. Kampf als allt\u00e4gliches Verhalten<\/h4>\n<p>Probleml\u00f6sung durch Anwendung physischer und auch psychischer Gewalt muss immer eine Ausnahme bleiben. Trotzdem sind Trainings- und auch Kampfweisen des Wing Chun, richtig verstanden, im t\u00e4glichen Leben sinnvoll einzusetzen. Im Kampf ist ein schnelles Besiegen eines Gegners nur durch Kontrolle des eigenen und auch des K\u00f6rpers des Gegners m\u00f6glich. Nur diese Kontrolle erlaubt ein konsequentes, nicht zuf\u00e4lliges Handeln durch gezielte Angriffe auf die L\u00fccken der gegnerischen Deckung. Das Lesen des gegnerischen K\u00f6rpers wird im Training etwa durch Chi Sao oder Sparring ge\u00fcbt. Chi Sao schult unter anderem ein Suchen, \u00d6ffnen und Nutzen der gegnerischen L\u00fccken auf n\u00e4chster Distanz. Sparring schult das gleiche Verhalten auf einer gr\u00f6\u00dferen Entfernung. Chi Sao ist reflexhaftes Handeln durch Erkennen einer Situation \u00fcber das Gef\u00fchl. Sparring mit Armen und Beinen fordert dagegen mehr \u00dcbersicht und bewu\u00dftes Erkennen einer Situation von Dir, bevor es zu einer Handlung Deinerseits kommen kann.<\/p>\n<p>\u00dcbertragen auf allt\u00e4gliche Konflikte hei\u00dft dies: Der Konflikt, der Streit, die Meinungsverschiedenheit soll so schnell wie m\u00f6glich beigelegt werden. Kontrolle \u00fcber die daf\u00fcr notwendigen Gespr\u00e4che, aber auch die damit verbundenen Gesten erm\u00f6glichen es Dir, die schwierige Situation leichter zu l\u00f6sen. Die \u00dcbersicht des Sparrings versetzt Dich in die Lage, den Streitpunkt, Dein Verhalten in diesem Streit und das Verhalten Deines Gegen\u00fcbers aus der Distanz zu betrachten. Das F\u00fchlen des Chi Sao erlaubt es, ein Problem aus der N\u00e4he, das hei\u00dft, aus einer weniger analytischen Position wahrzunehmen.<\/p>\n<h4>5. Selbstschutz<\/h4>\n<p>Du hast ein Recht darauf, dass es Dir gut geht. Du hast aber auch die Pflicht, Dich selbst darum zu k\u00fcmmern, dass dem so ist. Aus dem, was bisher gesagt wurde, ist Dir hoffentlich deutlich geworden, dass es uns beim K\u00e4mpfen und damit auch beim Selbstschutz nicht nur um Treten und Schlagen geht. Es geht uns darum, dass es Dir und auch uns gut geht. Unser Weg ohne Angst zu leben, ist der des K\u00e4mpfers. Dies mu\u00df nicht hei\u00dfen, dass dies der beste Weg f\u00fcr alle ist &#8211; wir haben uns jedenfalls f\u00fcr ihn entschieden. Du kannst bei uns also lernen, Dich selbst und auch Dein Selbst vor dem zu sch\u00fctzten, was Dich an einem zufriedenen Leben hindern k\u00f6nnte. Du mu\u00dft nur bereit sein, daf\u00fcr zu arbeiten.<\/p>\n<p>Sifu Christoph Hauch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Angebot an Wing Chun &#8211; Seiten und die M\u00f6glichkeiten sich \u00fcber dieses Thema im Netz zu informieren sind mittlerweile sehr vielf\u00e4ltig geworden. Wir m\u00f6chten uns deshalb an dieser Stelle darauf beschr\u00e4nken, Euch unsere Grundeinstellung zum Wing Chun vorzustellen, die Basis an Trainingsprinzipien also, die Wing Chun als funktionale Kampfkunst auszeichnen. 1. 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