{"id":39,"date":"2010-12-12T10:25:16","date_gmt":"2010-12-12T09:25:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wckf.de\/blog\/"},"modified":"2010-12-12T13:20:22","modified_gmt":"2010-12-12T12:20:22","slug":"der-weg-eines-kampfers","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wckf.de\/blog\/kampfkunst\/der-weg-eines-kampfers\/","title":{"rendered":"Der Weg eines K\u00e4mpfers"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl viele Kampfk\u00fcnstler jahrelang ihr K\u00f6nnen perfektionieren, erreichen doch nur wenige eine h\u00f6here Ebene zu innerem Frieden, seelischer Harmonie, Ausgeglichenheit und echtem Selbstvertrauen.<\/p>\n<p>Auch ich habe die ersten Jahre meines Kampftrainings damit verbracht, die Ausf\u00fchrung komplexer K\u00f6rperbewegungen zu verfeinern und hart einzutrainieren. Als ich 1977 mit dem Karatetraining anfing, lag es mir fern, mich mit irgendeiner spirituellen Lehre zu befassen. Zen oder andere geistige Lehren lagen f\u00fcr mich im Bereich des Hokuspokus. Traf ich auf irgendeinen &#8222;esoterischen Spinner&#8220; in der Kampfkunst, so war es mir ein leichtes, diesen mit den Vorz\u00fcgen eines harten k\u00f6rperlichen Trainings derart zu konfrontieren, dass ich weiterhin an die St\u00e4rke meines K\u00f6rpers und die Perfektion meiner Technik glauben konnte. Nie h\u00e4tte ich damals gedacht, wohin mich der Weg durch das Erlernen der Kampfk\u00fcnste f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>Als ich 1979 das Wing Tsun von Kernspecht kennenlernte, glaubte ich ein Kampfsystem gefunden zu haben, welches mit mathematischer Genauigkeit auf jede Situation im Kampf mit einer Formel reagieren kann. Kampfkunst wurde f\u00fcr mich auf einmal Wissenschaft. Der Bewegungsfluss, den ich im Karatetraining kennenlernte, wurde durch das Wissen von Winkeln und Druckverh\u00e4ltnissen aus dem Wing Tsun so unterbrochen, dass ich glaubte, K\u00e4mpfen sei nichts anderes, als eben die Vollendung dieser Winkel zur Perfektion.<\/p>\n<p>Ich traf damals auf niemanden der f\u00e4hig war, mich zu besiegen &#8211; es sei denn jemanden meines eigenen Systems. Bruce Lee sagte einmal, dass f\u00fcr einen Zuschauer von Kampfkunst eine Gerade einfach ein Schlag sei. F\u00fcr einen Anf\u00e4nger ist die Gerade eine schwierige Angelegenheit. Ein fortgeschrittener Sch\u00fcler erkennt, dass eine Gerade eine Summe von Drehungen und Winkeln in K\u00f6rper und Arm ist. Ist der Sch\u00fcler sehr fortgeschritten, ist die Gerade f\u00fcr ihn eine Wissenschaft. Der Meister findet eine Gerade ist einfach ein Schlag.<\/p>\n<p>Im Westen haben wir eine Inflation von Meistern. Kfz-Meister, Schreinermeister, Karatemeister usw. Es gibt f\u00fcr einige Meisterschulen Innungen die einem irgendwann eine Urkunde in die Hand geben, die aussagen sollen: jetzt bist Du Meister. F\u00fcr viele Meisterzertifikate gibt es nicht einmal die Anerkennung eines &#8222;echten&#8220; Meisters. Wie auch immer; ein Meisterzertifikat wird im Westen von Menschen ausgestellt, die durch ihre Pr\u00fcfungen auf technischer und materieller Ebene dem Absolventen f\u00fcr Geld die Bef\u00e4higung zusprechen, sein Handwerk zu beherrschen. Vorwiegend ist dies in Wirklichkeit nur der Schutz der bestehenden Betriebe, der verhindern soll, dass sich nicht jeder in ihrem Markt breit macht.<\/p>\n<p>F\u00fcr den wahren Meister der Kampfkunst ist das Erlernen von Karate, Judo, Wing Chun, Aikido, bras. Jiu Jitsu, Escrima, Thai Boxen, Thai Chi oder einer der vielen anderen Kampfk\u00fcnste ein Zugangstor zu innerer Harmonie, Selbstvertrauen und spirituellem Leben &#8211; und auch Sterben.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit beobachtete ich bei einem Turnier zweier Schulen, die erste Erfahrungen in der Ausrichtung von K\u00e4mpfen machen wollten, den Streit eines asiatischen Trainers mit einem Schiedsrichter. Der Trainer beschimpfte den Ringrichter, der die K\u00e4mpfer aus Gr\u00fcnden der Verletzungsgefahr im Vollkontakt relativ fr\u00fch trennte, derma\u00dfen, dass das Turnier unterbrochen werden musste, um den Trainer zu beruhigen. Jeder hatte Angst, sich dem aggressiven Trainer zu n\u00e4hern. Wenn er in diesem Augenblick eine Atombombe gehabt h\u00e4tte, er h\u00e4tte wahrscheinlich mit deren Z\u00fcndung gedroht.<\/p>\n<p>Dieser Trainer hatte sich von fr\u00fcher Kindheit an mit den Kampfk\u00fcnsten besch\u00e4ftigt, und daher dachte ich immer, dass er inzwischen ein Meister sei. Er war in Asien gro\u00dfgeworden und ich meinte, dass die Entwicklung zu einem Meister in einem Land, in dem die ganze Umgebung mit den Werten der Kampfk\u00fcnste zu tun hat, leichter sei als im Westen. Um so erstaunter war ich \u00fcber die irrationalen Wutausbr\u00fcche dieses Trainers. Es ist daher wichtig zu unterscheiden: man kann wohl ein absoluter K\u00f6nner der Kampfkunst sein ohne den Geist des Kampfes erfasst zu haben. Die M\u00f6glichkeit, die k\u00f6rperlichen Techniken in der Kampfkunst zu entwickeln ohne die philosophischen oder spirituellen Aspekte der K\u00fcnste zu begreifen sind sehr gro\u00df. Ich bin \u00fcberzeugt, dass man diese Aspekte aus jeder k\u00f6rperlichen T\u00e4tigkeit ziehen kann. Das Erlernen von Analysen mit entsprechender Verhaltens\u00e4nderung, \u00fcben von Wahrnehmungen und Achtsamkeit, und das Einstecken von Niederlagen f\u00fchrt zu echtem Selbstbewusstsein. Dies f\u00fchrt zu innerem Frieden und Entspannung.<\/p>\n<p>Musashi sagte, dass das Aus\u00fcben von Kampfkunst oder auch einer anderen Kunst dazu f\u00fchrt, dass man den Weg aller Wege versteht. Ein Schl\u00fcssel des k\u00f6rperlichen K\u00e4mpfens ist die Begrenztheit. Wer einmal im Kampf auf einen echten Meister getroffen ist, sp\u00fcrt, dass Jugend, Kraft und Schnelligkeit einem solchen Meister nicht zu schaffen machen.<\/p>\n<p>Durch das Unterrichten von Kampfkunst seit zwei Jahrzehnten, habe ich bei vielen meiner Sch\u00fclern, denen ich etwas zeigen durfte, pers\u00f6nliche Ver\u00e4nderungen gesehen, die auch bei mir stattfanden. Viele hatten Ver\u00e4nderungen im Privatleben, die durch das Erlernen von Werten im Kampf bedingt waren. Da ich von einer gro\u00dfen Zahl meiner Sch\u00fcler nur bedingt verstanden werde, habe ich mich entschieden, einer kleinen Zahl meiner Sch\u00fcler das weiterzugeben, was der wahre Schatz der Kampfk\u00fcnste ist: ein besserer Mensch zu werden.<\/p>\n<p>Sifu Christoph Hauch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl viele Kampfk\u00fcnstler jahrelang ihr K\u00f6nnen perfektionieren, erreichen doch nur wenige eine h\u00f6here Ebene zu innerem Frieden, seelischer Harmonie, Ausgeglichenheit und echtem Selbstvertrauen. Auch ich habe die ersten Jahre meines Kampftrainings damit verbracht, die Ausf\u00fchrung komplexer K\u00f6rperbewegungen zu verfeinern und hart einzutrainieren. 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