{"id":54,"date":"2010-12-12T10:50:35","date_gmt":"2010-12-12T09:50:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wckf.de\/blog\/"},"modified":"2010-12-12T10:55:19","modified_gmt":"2010-12-12T09:55:19","slug":"aufstieg-und-fall","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wckf.de\/blog\/kampfkunst\/aufstieg-und-fall\/","title":{"rendered":"Aufstieg und Fall des Wing Chun"},"content":{"rendered":"<h4>Von Sifu Duncan Leung, \u00fcbersetzt von Thorsten Weber, \u00fcberarbeitet von Ingun Sch\u00e4fer (Quelle: Inside Kung-Fu, September 2000)<\/h4>\n<p>Im Hong Kong der fr\u00fchen 1950er Jahre waren die Chinesischen Kampfk\u00fcnste beliebt unter den jungen Leuten und in der Arbeiterklasse. Es gab viele verschiedene Stile wie Hung Gar, Wei\u00dfer Kranich, den Drachen Stil und Choy Lai Fut. Das Wing Chun musste noch entdeckt werden. Ein junger Mann aus Foshan in China, Yip Man, lebte zu dieser Zeit dort. Er hatte Wing Chun in China gelernt und setzte seine Ausbildung in Hong Kong unter Leung Bik fort.<\/p>\n<p>Er begann mit seinem Unterricht in den R\u00e4umen der &#8222;Restaurant Association&#8220;. Sp\u00e4ter er\u00f6ffnete er seine eigene kleine Schule in seiner Wohnung, die im Viertel der aus China Umgesiedelten lag und etwa 12 qm gro\u00df war. Die Jahre vergingen und er unterrichtete einige gute Sch\u00fcler, so dass der Stil \u00f6ffentlich bekannt wurde. Zu dieser Zeit forderten sich Vertreter der verschiedenen Stile oft privat heraus. Die fr\u00fchen Sch\u00fcler von Yip Man wie Lok Yiu und Wong Sheung Leung waren die eifrigsten und in ihren K\u00e4mpfen sehr erfolgreich.<\/p>\n<p>Bruce Lee und Ted Wong hatten ihre eigenen Schulen und einige, u.a. Tsui Sheung Tin, begannen, privat zu unterrichten. 1957 ging William Cheung, ein weiterer fr\u00fcher Sch\u00fcler Yip Mans, nach Australien. Auf dem Weg dorthin kam es zu einem Zwischenfall. Er schloss sich in der Matrosenkabine ein und k\u00e4mpfte gegen mehr als zehn der Seeleute. Die Nachrichten dar\u00fcber und den \u00fcberragenden Wing Chun Stil f\u00fcllten die Schlagzeilen der Australischen Zeitungen.<\/p>\n<p>Etwa ein Jahr sp\u00e4ter ging Bruce Lee in die Vereinigten Staaten. Mit dem Start der Fernsehserie &#8222;The Green Hornet&#8220; wurden die Amerikaner auf seine Kampfkunstf\u00e4higkeiten aufmerksam. Sp\u00e4ter ging er zur\u00fcck nach Hong Kong und machte mehrere Filme, die die Welt schockierten. Die ganze Welt begann, etwas \u00fcber Chinesisches Kung-Fu zu erfahren, besonders \u00fcber den Wing Chun Stil. Nach Leung Sheungs Tod unterrichtete Leung Ting, einer seiner Sch\u00fcler, einen Mann namens Gainsburg in Deutschland und brachte so das Wing Chun dorthin. Dann verbreitete Victor Kan Wing Chun in England. Yip Mans Neffe Lo Man Kam machte die Kunst in der Schweiz und seiner Heimat Taiwan bekannt. Wing Chun wurde zur beliebtesten Kampfkunst der Welt.<\/p>\n<p>Als die Beliebtheit des Wing Chun ihren H\u00f6hepunkt erreichte, starb Yip Man. Bereits vor seinem Tod 1972 hatte Yip Man aufgeh\u00f6rt zu unterrichten. Sein Rat jedoch war weiterhin gefragt. Seine ersten Jahre in Hong Kong waren sehr hart aber im hohen Alter wurde er von einigen reichen Sch\u00fclern unterst\u00fctzt, wie von Dung Sing und Chan Jee Chu, welche bei der &#8222;Hong Kong Royal Police&#8220; arbeiteten. Er wurde als Oberhaupt der Wing Chun Familie verehrt und hatte, durch die Hilfe dieser Sch\u00fcler, einen angenehmen Lebensabend. Leider benannte er keinen Nachfolger f\u00fcr die F\u00fchrungsrolle im Wing Chun. Es ist m\u00f6glich, dass er niemanden gefunden hatte, den er mochte oder der geeignet gewesen w\u00e4re. Vielleicht hat er sich im hohen Alter auch nicht mehr mit dieser Frage befasst.<\/p>\n<p>Welche Gr\u00fcnde auch immer dazu f\u00fchrten, Yip Man war wirklich der letzte Gro\u00dfmeister des Wing Chun Stils. Nach seinem Tod wurde den Mitgliedern der Kampfkunstfamilie langsam klar, dass sie auf sich gestellt waren.<\/p>\n<p>Das Wing Chun ist heute eine sehr gro\u00dfe Familie mit Schulen auf der ganzen Welt. Aber jede erfolgreiche Organisation braucht einen F\u00fchrer, der alle vereint und bei der Zusammenarbeit unterst\u00fctzt. Die Erben und Sch\u00fcler von Yip Man, die am besten daf\u00fcr qualifiziert gewesen w\u00e4ren, uns zu vereinen und zu f\u00fchren, waren aus den verschiedensten Gr\u00fcnden nicht gewillt oder nicht in der Lage dies zu tun.<\/p>\n<p>Heute, 27 Jahre nach Yip Mans Tod, entfernen sich die Mitglieder der Wing Chun Familie immer weiter voneinander. Ohne F\u00fchrung beginnen einige, auf ihre eigene Weise zu unterrichten, andere kritisieren diejenigen, die nicht mit ihrer Art des Unterrichts einverstanden sind. Wieder andere entwickeln sogar Theorien, die Yip Man niemals lehrte. Es gibt auch solche, die den Anspruch erheben, die einzig &#8222;wahren&#8220; Lehrer des Wing Chun zu sein. Sie behaupten, dass nur diejenigen rechtm\u00e4\u00dfige Wing Chun Lehrer sind, die sie getestet und f\u00fcr qualifiziert befunden haben.<\/p>\n<p>Ungl\u00fccklicherweise beeintr\u00e4chtigen Anspr\u00fcche dieser Art die Glaubw\u00fcrdigkeit der gesamten Bewegung und tragen nur dazu bei, die Wing Chun Familie zu teilen. Wing Chun ist ein Kampfkunststil, es geht hier also um das K\u00e4mpfen. Man muss lange lernen und trainieren. Man muss es im Kampf einsetzen, um Erfahrungen in der Anwendung zu sammeln. Das ist sehr bedeutend. Schlie\u00dflich kann es hierbei um Leben und Tod gehen. Es ist keine Urkunde, die man sich kaufen kann. So einfach ist es nicht. Jeder, der eine lange Zeit gelernt, trainiert und damit gek\u00e4mpft hat, sollte einige Wahrheiten der Kunst verstanden haben. Wie kann jemand, der die Erfahrungen aller anderen anzweifelt und sich selbst als den einzig &#8218;wahren&#8216; K\u00fcnstler der Welt bezeichnet, mit dieser Einstellung versuchen andere zu f\u00fchren?<\/p>\n<p>Die Grundlagen des Wing Chun sind in den Formen dargelegt, die uns Yip Man hinterlassen hat, aber die Prinzipien und Theorien wurden m\u00fcndlich von ihm weitergegeben. Mag auch jeder einzelne die Ideen ein wenig anders interpretieren, ich bin sicher, Yip Man w\u00e4re froh, wenn wir, die wir von ihm gelernt haben, seine Lehre weitergeben.<\/p>\n<p>Wenn wir eine gute F\u00fchrung h\u00e4tten, die alle zusammenbringt um Erfahrungen und Ideen unvoreingenommen zu akzeptieren und auszutauschen, dann k\u00f6nnte das Wing Chun bl\u00fchen. Jeder w\u00fcrde von diesem Wissen profitieren. Ohne diese starke Bindung und die Unterst\u00fctzung unter den Wing Chun Mitgliedern werden die Prinzipien und Theorien, die uns Yip Man hinterlie\u00df, von Generation zu Generation verloren gehen. Eines Tages wird den Stil niemand mehr kennen. Dann wird Wing Chun nur irgendein Name in der Geschichte der Kampfk\u00fcnste sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sifu Duncan Leung, \u00fcbersetzt von Thorsten Weber, \u00fcberarbeitet von Ingun Sch\u00e4fer (Quelle: Inside Kung-Fu, September 2000) Im Hong Kong der fr\u00fchen 1950er Jahre waren die Chinesischen Kampfk\u00fcnste beliebt unter den jungen Leuten und in der Arbeiterklasse. Es gab viele verschiedene Stile wie Hung Gar, Wei\u00dfer Kranich, den Drachen Stil und Choy Lai Fut. 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