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Die Welt der Kampfkunst

Fast jeder Mensch ist fasziniert von Kampfkunstvorstellungen aus Fernost und den akrobatischen Fähigkeiten der asiatischen Action-Schauspieler. Die meisten Beobachter sind beeindruckt von der Körperbeherrschung der Kämpfer, denken aber diese Kunst zu erlernen sei ein langer und mühsamer Weg. Können möchte es wohl jeder, aber unser analytisches Denken erfasst schon in kürzester Zeit wieviel Zeit, Geld und Energie wir einsetzen müssen, um eine solche Kunst zu erlernen und welchen Nutzen wir andererseits aus diesen Fähigkeiten ziehen können.

Es könnte die Selbstverteidigung sein. Das ist es aber nicht. Jede Waffe, jede Überzahl der Gegner, jeder mit letzter Entschlossenheit auf einen denkenden, empfindsamen nicht unter Drogen stehenden Menschen geführter Angriff machen eine Gegenwehr ohne Waffe und ohne dieselbe Entschlossenheit schwer möglich. Eine Dose Pfefferspray kann in den meisten Fällen des Selbstschutzes besser helfen. Es ist dem Spray egal, wie groß der Gegner ist, wie viele Gegner es sind, wie schnell und stark sie sind. Auf den Knopf eines Sprays zu drücken erfordert auch weniger Mut und Entschlossenheit, als eine Kampfstellung einzunehmen, die dem Angreifer signalisiert (evtl. auch reizt): ich bin bereit für eine Auseinandersetzung mit allen Konsequenzen.

Auch der sportliche Aspekt könnte die Motivation für ein Kampfsporttraining sein. Aber ehrlich: der Besuch eines Fitnessstudios fällt da leichter. Keine vorgeschriebene Trainingskleidung und keine Charakterprüfung mit der Erfahrung von Niederlagen. Nicht zuletzt ist das körperliche Workout in einem Fitness Studio auch effektiver. Alle Kampfsportprofis trainieren deswegen zusätzlich mit Gewichten oder setzen andere leistungssteigernde Methoden aus dem Fitnessbereich ein.

Was also macht das Erlernen einer Kampfkunst in der heutigen Zeit, und dazu noch im Westen, attraktiv?

Es ist sehr wahrscheinlich die Suche nach etwas, das wir alle in seiner Existenz vermuten und fühlen, aber noch nicht gefunden haben. Wie von Fähigkeiten, von denen uns unser Gefühl sagt, dass wir sie besitzen, die aber niemand erkennt oder haben will, trennt uns alle etwas von uns selbst.

Wahrscheinlich ruht ein Mensch, der eine Kampfsportschule besuchen möchte, nicht gerade in sich selbst. Und er möchte jetzt gerade etwas für diese noch nicht gefundene Harmonie tun. Deswegen ist er in eine Kampfschule gegangen und nicht in ein Fitness Studio. Und deswegen weiß er auch: keine Spraydose vermittelt jene Kraft zur Gelassenheit, die altes, überliefertes Wissen über das Leben und Sterben erfahren lässt.

Kampfkunst als Suche nach dem Pfad mehr Glück zu empfinden, um so mit einigen Ursachen des Leidens, wie Niederlagen und Krankheit, Älterwerden und Sterben, anders umgehen zu können.

Ein Buch hierüber zu lesen, heißt Wissen speichern. Im Gehirn werden so Regionen beansprucht, die im besten Fall etwas wiederholen könnten. Kämpfen zu lernen, heißt Erfahrungen zu machen durch emotionales Erleben. So werden Teile des Gehirns trainiert, die sich selten in Ihrer späteren Abrufung täuschen lassen. Jeder weiß wie eine Rose riecht. Kein Buch der Erde kann uns diesen Duft erleben lassen. Eine Rose an ihrem Geruch wiederzuerkennen, setzt dieselben geistigen Vorgänge voraus, wie die Übertragung der Strategien des Kampfes auf Lebenssituationen, die nicht mit der körperlichen Auseinandersetzung zu tun haben. Das ist der wahre Gewinn in dem Erlernen einer Kampfkunst. Daher sollte es dem Suchenden vor allen Dingen darum gehen, einen Meister zu finden, der diesen Wert zu schätzen weiß. An der Ausprägung der Ichbezogenheit der Lehrer ist leicht zu erkennen, ob ein Lehrer ein Lehrer ist, oder selbst noch ein Suchender.

Sifu Christoph Hauch

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